Bodenreform und Enteignung
Projekt Wissenschaftliches Denken VR China

 

我爲新中國數萬萬農村人民獲得翻身機會和國家獲得工業化的基本條件表示高興,表示慶賀。

„Ich freue mich, daß die nach Hunderten Millionen zählende Land­bevölkerung des Neuen China die Möglichkeit ihrer Befreiung errungen, daß das Land die grundlegende Voraussetzung für seine Industrialisie­rung geschaffen hat, und ich beglückwünsche sie dazu.“

Schlussansprache Mao Zedongs auf der Zweiten Sitzung des Ersten Nationalkommittees der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes [中國人民政治協商會議第一屆全國委員會第二次會議], erschienen in der Renmin ribao vom 24. Juni 1950, hier entnommen dem Frontispiz des besprochenen Buches, Übersetzung nach Mao Tse-tung (1978): Ausgewählte Werke Band V. Peking: Verlag für fremdsprachige Literatur, S.35-39.

 

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Huadong junzheng weiyuanhui tudi gaige weiyuanhui [华东军政委员会土地改革委员会] (hg.) (1952): Shanghai shijiaoqu Sunan xingzhengqu – tudi gaige huaji [上海市郊区 苏南行政区 – 土地改革画集] (ohne Angabe des Verlags).

 

Das vorliegende Buch ist eine reich bebilderte Darstellung der Landreform, welche mit einem expressiven Vergleich von Zuständen vor und nach der Reform ein bezeichnendes Licht auf die Wahrnehmung der Bauernbefreiung wirft.

Im alten China, so die Darstellung, war die Landbevölkerung in zwei distinkte Gruppen unterteilt, nämlich die „im Paradies lebenden Großgrundbesitzer“, und die in der „Hölle schmorenden Bauern.“ Grund dafür waren – in marxistischer Lesart der Klassenanalyse – die Verteilung von Grund und Boden, welche die Ausbeutung der Bauern durch Steuern, Abgaben, Pacht und andere Maßnahmen möglich machte.

Für die Kommunistische Partei war es daher – schon seit dem Beginn der Bodenreform 1946 – ein erklärtes Ziel, dieser Ausbeutung Einhalt zu bieten. Am 14. Juni 1950 wurde daher auf der Zweiten Sitzung des Ersten Nationalkommittees der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes der „Entwurf des Gesetzes der Volksrepublik China über die Bodenreform“ verabschiedet, und am 30. Juni desselben Jahres vom Vorsitzenden der Zentralen Volksregierung, Mao Zedong, der Öffentlichkeit bekanntgegeben, womit es in Kraft trat.

Damit war auch die Grundlage für die Umverteilung geschaffen, die alsbald einsetzte. Wesentliches Kriterium war in diesem Kontext die Einstufung der Landbevölkerung in eine der fünf Klassen, deren Kriterien auf Maos „Analyse der Klassen in der chinesischen Gesellschaft“ vom März 1926 zurückgehen. Diese fünf Klassen waren Grundbesitzer, Großbauern, Mittelbauern, Kleinbauern und Landarbeiter. Die Einstufung erfolgte in der Regel in öffentlichen Versammlungen, auf denen durch Selbsteinschätzung, Kritik und auch verschiedene Formen des Terrors die Klassenzugehörigkeit definiert wurde. Terror war hier ein legitimes Mittel in der Umwälzung der sozialen Strukturen, da die reiche Klasse ihren Besitz häufig verborgen hielt. Abschließend wurden die Grundbesitzer vor öffentlichen Tribunalen angeklagt, verurteilt, und auch häufig hingerichtet. Die Zahl der Opfer wird hier in der Literatur (vgl. Hinton) auf ca. 5 Millionen geschätzt. Innerhalb von zwei Jahren wurde die Landreform abgeschlossen und rund 43% des Bodens neuen Eigentümern zugeführt worden.

In dem vorliegenden Buch wird der Kampf gegen die Großgrundbesitzer und ihre Enteignung in der ländlichen Umgebung Shanghais beschrieben. Enteignung wird verstanden als Teil des antifeudalistischen und auch antikapitalistischen Kampfes, um die Bauern wieder an den Produktionsmitteln teilhaben zu lassen und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu fördern.

Im ersten Teil des Buches erfolgt eine Beschreibung der Zustände vor der Landreform, mit einer detaillierten Auflistung der Besitzverhältnisse und sozialen Struktur. So wird beschrieben, daß die armen Bauern mehr als 50% der Bevölkerung im Gebiet Sunan ausmachen, aber nur 20% des Bodens besitzen, während die Großgrundbesitzer 3,25% der Bevölkerung ausmachen, aber mehr als ein drittel des Bodens besitzen. Mit Hilfe von Karten, Grafiken und Auszügen aus Grundbüchern wird diese ungerechte Verteilung belegt, ebenso werden Kopien von Pachtverträgen und Pachtrechnungen gezeigt. Die Ausbeutung und Unterdrückung erfolgte aber nicht allein ökonomisch (auf Grundlage von Verträgen), sondern auch durch Folterinstrumente, deren Anwendung durch Fotos von Folterverletzungen und blutiger Kleidung bezeugt wird (wie auch durch einen Kochtopf, in dem ein Bauer – des Bambusdiebstahls verdächtigt – nach seiner Ermordung gekocht wird, um die Hunde des Großgrundbesitzers zu füttern). Dem entbehrungsreichen Leben der Bauern wird gegen Ende des ersten Teils des Buches das „parasitäre Leben der Großgrundbesitzer“ durch zahlreiche Fotos belegt.

Der zweite Teil des Buches führt in das Gesetz zur Bodenreform ein, dessen Umsetzung und Durchführung. Die Darstellung beschreibt die notwendigen Reformschritte, darunter Propaganda, Einbeziehung von Frauen in die Reform, Organisation durch Bevölkerungszählung, Klasseneinteilung der Bevölkerung, Aufdecken von Gegenmaßnahmen der Großgrundbesitzer (Verheimlichung von Eigentum, Sabotage etc.), Aufgaben und Funktion der Kritikversammlungen, sowie natürlich die Neuverteilung und Inbesitznahme des enteigneten Landes durch die verarmten Bauern.

Im dritten Teil werden dann die positiven Folgen der Bodenreform beschrieben, nämlich Produktionssteigerungen, Einführung neuer Bewirtschaftungsmethoden und landwirtschaftlicher Technologien, Verringerung der Armut usw., wofür explizit der Partei und dem Vorsitzenden Mao Zedong gedankt wird (vgl. die Fotos).

 

 

 

Mao Tse-tung: Ein vollwertiger Revolutionär sein (23. Juni 1950)

„Auf unserer Tagung wurden viele Punkte diskutiert, das zentrale Thema aber war die Frage der Umwälzung des alten Bodenbesitz­systems. Wir haben den vom ZK der KP Chinas vorgeschlagenen Ent­wurf des Gesetzes über die Bodenreform gebilligt und zu diesem einige nützliche Verbesserungen und Ergänzungen erarbeitet. Das ist sehr gut. Ich freue mich, daß die nach Hunderten Millionen zählende Land­bevölkerung des Neuen China die Möglichkeit ihrer Befreiung errungen, daß das Land die grundlegende Voraussetzung für seine Industrialisie­rung geschaffen hat, und ich beglückwünsche sie dazu. Die Bauern bilden den Hauptteil der Bevölkerung Chinas, die Revolution konnte nur dank ihrer Unterstützung siegen, und die Industrialisierung des Landes ist wiederum nur mit ihrer Hilfe möglich. Deshalb muß die Arbeiterklasse den Bauern aktiv bei der Durchführung der Bodenreform helfen... Die Prüfung Krieg ist im wesentlichen vorbei, wir alle haben sie gut bestanden, das Volk des ganzen Landes ist mit dem Ergebnis zufrieden. Nun müssen wir die Prüfung Bodenreform bestehen, und ich hoffe, das wird uns allen ebenso gut gelingen, wie dies mit dem Krieg der Fall war. Laßt uns mehr darüber nachdenken, öfter beraten, unser Denken in Einklang bringen, im Gleichschritt marschieren und eine große Einheitsfront gegen den Feudalismus bilden, dann werden wir imstande sein, die Volksmassen zu führen und ihnen zu helfen, diese Prüfung erfolgreich zu bestehen. Haben wir einmal die Prüfungen des Krieges und der Bodenreform hinter uns gebracht, dann wird uns die noch ausstehende Prüfung, die Prüfung des Sozialismus, der sozialistischen Umgestaltung im ganzen Land, leichtfallen. Jene, die zum revolutionären Krieg und zur revolu­tionären Umwälzung des Bodenbesitzsystems beigetragen haben und die auch in den kommenden Jahren des wirtschaftlichen Aufbaus und der kulturellen Entwicklung weitere Leistungen erbringen – für sie alle gilt: Das Volk wird sie nicht vergessen, wenn die Zeit für die Verstaatlichung der privaten Industrie und für die Sozialisierung der Landwirtschaft gekommen ist (was allerdings noch in weiter Ferne liegt), und eine glänzende Zukunft wird vor ihnen liegen.“

Mao Tse-tung (1978): Ein vollwertiger Revolutionär sein (23. Juni 1950), in: Mao Tse-tung: Ausgewählte Werke Band V. Peking: Verlag für fremdsprachige Literatur, S.35-39.

 

 

Primärliteratur in der Sammlung (Auswahl):

Laptew (И.Д.Лаптев) [拉普捷夫] (1956): Tudi gaige, tudi zhanyouzhi, tudi guoyouhua [土地改革,土地占有制,土地国有化]. Caizheng jingji chubanshe.

Sunan renmin xingzheng gongshu tudi gaige weiyuanhui [苏南人民行政公署土地改革委员会] (hg.) (1951): Tudi gaige qian de Sunan nongcun [土地改革前的苏南农村]. Shanghai.

Sunan renmin xingzheng gongshu tudi gaige weiyuanhui [苏南人民行政公署土地改革委员会] (hg.) (1951): Tudi gaige hou de Sunan nongcun [土地改革后的苏南农村]. Shanghai.

Ta Dayong [陶大镛] (1950): Tudi gaige yu xin minzhu zhuyi geming [土地改革与新民主主义革命], Shanghai.

Tudi gaige cankao ziliao xuanji [土地改革参考资料选辑], 1950, hg. von Zhongguo renmin zhengzhi xieshang huiyi quanguo weiyuanhui mishuchu [中国人民政治协商会议全国委员会秘书处]

Tudi gaige hou de Zhongnan nongcun [土地改革后的中南农村], hg. von Zhongnan renmin chubanshe bianjibu [中南人民出版社编辑部], 1951.

Tudi gaige shouce [土地改革手册], hg. von Huadong renmin chubanshe [华东人民出版社编], Shanghai, 1951.

Wei Yang [韦央] (1951): Tudi gaige wenti jianghua [土地改革问题讲话]. Shanghai: Laodong chubanshe.

Ye Minghua [叶明华] (1950): Tudi gaige xuexi ziliao [土地改革学习资料]. Shanghai: Shiyong chubanshe.

 

 

Sekundärliteratur

Butler, W.E. (1983): Land reform in the Chinese Soviet Republic, in: Butler, W.E. (ed.): The legal system of the Chinese Soviet Republic, 1931-1934. Dobbs Ferry, N.Y.: Transnational Publishers, S. 77-93.

Ch'en, Han-sheng (1973): Landlord and peasant in China; a study of the agrarian crisis in south China. Westport, Conn.: Hyperion Press (Reprint of the 1936 ed. published by International Publishers, New York).

Hinton, William (1983): Shenfan. New York: Random House.

Hinton, William (1998): The importance of land reform in the reconstruction of China, in: Monthly Review (New York) 50, no. 3, S. 147-160.

Kung, James Kai-sing (2008): The political economy of land reform in China's 'newly liberated areas': evidence from Wuxi County [1950s], in: China Quarterly, no.195, S. 675-690.

Myrdal, Jan (1969): Bericht aus einem chinesischen Dorf. München: dtv.

Strauss, Julia (2007): Rethinking land reform and regime consolidation in the People's Republic of China: the case of Jiangnan (1950-1952), in: Leutner, Mechthild (ed.): Rethinking China in the 1950s. Berlin: Lit Verlag, S. 24-34.