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Research Field of Agriculture and Industry


Genese der Volkskommunen

Die Volkskommune (人民公社) war eine Form landwirtschaftlicher Kollektivierung in der Volksrepublik China. Nach ersten agrarreformerischen Ansätzen im Jiangxi-Sowjet und den „befreiten Gebieten“ in Nordchina wurde nach der Gründung der VR eine Bodenreform durchgeführt, bei der die Landbesitzenden enteignet und ihr Grund unter den armen Bauern verteilt wurde. Nach ersten Kollektivierungsbemühungen bis zum Jahr 1955 und nach der Übernahme des Agrarhandelsmonopols durch den Staat wurde 1956 im Rahmen der 3-Roten-Banner Kampagne das Kollektivierungstempo verschärft.

Im Zusammenhang mit der Verkündung der Politik des Großen Sprungs nach Vorn kam es 1957 zur Gründung noch umfassenderer Produktionseinheiten, den Volkskommunen. Diese Kommunen, von denen es 24.000 in ganz China gab, hatten mit dem traditionellen Dorfverband nicht viel gemein, da sie weitaus größer waren und jeweils mehrere Dörfer umfaßten. Die Arbeitskräfte wurden zentral verwaltet und in Arbeitsbrigaden eingeteilt, die keine tellurische Bindung an die Scholle mehr besaßen (jahrhundertelang das Grundprinzip in der chinesischen Landwirtschaft). Die Volkskommune war allerdings kein ökonomischer Zweckverband, sondern zielte mit seinem Projekt des Neuen Menschen auch auf eine sozio-politische Umwälzung des Systems. Die Volkskommune war die höchste von drei administrativen Levels in den ländlichen Regionen und nahm politische, soziale und ökonomische Funktionen wahr. Die Kommunen wurden weiter unterteilt in Produktionsbrigaden (生产大队) und Produktionsteams (生产队), was mit einer zunehmenden Enteignung von Produktionsmitteln einherging. Die Bauern wurden schließlich allein nach dem Bedürfnisprinzip entlohnt.

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Rui Guangting (芮光庭), 1958, The people's communes are good.

 

Der japanische Sinologe Mizoguchi Yūzō (1932-2010) argumentiert in seinen Schriften, daß die Einführung des Sozialismus in China eigentlich unausweichlich war. Die Etablierung eines neuen Systems des Landbesitzes durch die Taiping im Jahr 1853 forderte die Abschaffung jeglichen privaten Landbesitzes und führte den Kollektivbesitz ein. Diese historische Besonderheit verdankt sich Mizoguchi zufolge der chinesischen Tradition, in der das Ideal der Gleichheit  (kin/jun) eine zentrale Rolle spielt. Das Ideal des konfuzianischen Regierungssystems (jingshi, keisei) beinhaltet das Brunnenfeldsystem, das Lehnswesen und die Schulen der Shang, Xia und Zhou Dynastie. Die Herrscher der ersten drei Dynastien in der chinesischen Geschichte strebten danach, dass Ideal von kin/jun mit Hilfe des Brunnenfeldsystems umzusetzen, wie es im Kapitel über den Herzog Wen von Teng (Tengwengong) im Menzius propagiert wird. Eine derartige Politik von oben erfuhr, so Mizoguchi, einen grundlegenden Wandel im 16. und 17. Jahrhundert. Der besondere Charakter der politischen Theorien von Denkern wie Huang Zongxi (1610-95) ist sein Einwand, dass das Land nicht das Eigentum des Kaisers ist, sondern in Privatbesitz übergehen solle. Die Grundstücke im Beseitz vom Kaiserhof oder Staat müssten zudem privatisiert werden und das gesamte beackerbare Land unter dem Volk zu gleichen Teilen aufgeteilt werden. Wenn man nun die Expansion des Privateigentums in Jahrzehnten nach der Song-Dynastie berücksichtigt, so wird eines klar: die Auffassung, dass das Land das Land des Volkes sei (mintu) war spätestens im 17. Jahrhundert eine allgemeine Wahrheit. Dieser Umstand und die Tatsache, dass gemäß dem traditionellen Erbsystem der Grundstücksbesitz des Vaters zu gleichen Teilen an die Söhne vererbt wird, führte schließlich zu einer Zersplitterung, welche im Kontext einer erstarkenden monetären Wirtschaft wiederum aus dem Land eine handelbare Ressource machte. Ein Bevölkerungswachstum mit einer stagnierenden Agrarfläche machte in den folgenden Jahrhunderten ließ das Problem der egalitären Landverteilung zu einer zentralen soziopolitischen Frage werden (Mizoguchi et al. 2007). Die Lösung, die sich hier bot, war die Etablierung einer kooperativen Form der Landwirtschaft, wo Agrarflächen kollektiv bewirtschaftet wurden, um durch Methoden der Arbeitsteilung die Effizienz der Produktivität zu erreichen. Im Gegensatz zu Japan, wo das Erstgeburtsrecht eine Konzentrierung des Landbesitzes forcierte und somit die Entwicklung des Kapitalismus begünstigte, förderte die Sorge um eine egalitäre Verteilung der Ressourcen die Entstehung des Sozialismus, der in der Politik des Gemeinwohls (minsheng zhuyi) von Sun Yat-sen seinen ersten modernen Ausdruck fand und später von der VR China übernommen wurde. Der Sozialismus in China ist Mizoguchi zufolge somit kein Import aus Europa, sondern besitzt chinesische Wurzeln.

Es ist in der aktuellen Diskussion um die negativen Konsequenzen der Wirtschaftsreformen im postrevolutionären China interessant zu beobachten, daß Vertreter der Neuen Linken wie Cui Zhiyuan [崔之元] die Wiederentdeckung der sozialistischen Erfahrung fordern, um einen Sozialismus mit chinesischen Charakteristika zu errichten, der im Zuge der Marktreformen eine Lateinamerikanisierung, wie sie in der Sowjetunion nach 1989 erfolgte, vermeidet. In einem Beitrag der Zeitschrift Twenty-First Century (Ershiyi shiji) mit dem Titel „Institutional Innovation and a Second Liberation of Thought” [制度創新與第二次思想解放] (August 1994) führt Cui aus, daß die abergläubisch anmutende Fixierung des Glaubens auf die Allheilwirkung der Marktkräfte und das Bestreben, die Institutionen des kapitalistischen Systems zu übernehmen, eben nicht alle Probleme lösen können. Die Rückversicherung des sozialistischen Erbes, die Cui hier anstrebt, ist allerdings nicht allein ein ideologisches Unterfangen, um die Herrschaft der KP in dem sich wandelnden System zu sichern, sondern ist auch der Romantisierung der sozialistischen Phase geschuldet, die eine alternative Moderne versprach.

Für Cui hingegen ist die Neubewertung der sozialistischen Phase eine Aufgabe, der sich Kritiker des Neoliberalismus wie er stellen müssen. So favorisiert Cui eine ländliche Industrialisierung, die auf den Vorbildern der Volkskommunen aufbaut und landwirtschaftliche Unternehmen (Township and Villages Enterprises, TVE) als ökonomische Größe etabliert. Die TVE, welche Anfang der 1980er Jahre als genossenschaftlich verfaßte und gewinnorientierte Fabriken eingerichtet wurden, unterstanden den Dorfverwaltungen und Verwaltungsgemeinden. Als das Wachstum in den 1990er Jahren im ländlichen Raum stagnierte, wurden Stimmen laut, eine Ausweitung der Marktwirtschaft und der Verstädterung auch auf dem Land umzusetzen. Cui, zusammen mit den linken Liberalen Gan Yang, begann, sich dagegen auszusprechen, da die kollektiv organisierte ländliche Kleinindustrie nicht nur ökonomisch vorteilhaft war (da sie freie Arbeitskräfte auf dem Land absorbierte und Einkommenssteigerungen ermöglichte), sondern auch eine gangbare Alternative zum Modell des Fordismus (standardisierte Massenproduktion und –konsum mit Hilfe hochspezialisierter, monofunktionaler Maschinen und Fließbandfertigung). Darüberhinaus vermeidet die Förderung der TVEs auch die mögliche Abhängigkeit der Dörfer von industriellen Produkten aus den Städten. Die Dörfer sollten Cui zufolge so autonom und autark wie möglich sein, ein Ideal, wie es auch in den Volkskommunen verfolgt wurde. Der Intellektuelle Wang Hui übernahm später diese Argumente in seiner Beschreibung der chinesische Moderne als Anti-Moderne.

Die sozio-ökonomischen Vorschläge der Neuen Linken verneinen die Bestrebungen der liberalen und auch sozialdemokratischen Kräfte, nach den zwangsverordneten Kollektivierungsbemühungen der Vergangenheit dem Individuum größere Freiheiten zu gewähren. So beklagt der Wirtschaftshistoriker Qin Hui, der zurecht darauf verweist, daß die Hungertoten des Großen Sprungs nach Vorn systembedingt sind, und nicht auf eine Naturkatastrophe zurückzuführen, den Zwang als ein explizit systeminhärentes Element des Sozialismus, der großes Leid verursacht hat. Seiner Auffassung nach verleiht die moralische und rationale Selbstüberschätzung dem Sozialismus eine schwer überprüfbare Aura des Religiösen. Auch wenn diese Selbstüberschätzung politisch eher nicht intendiert war, so wurde sie erheblich erleichtert durch den Umstand, dass mit dem Abschied vom konfuzianischen Universalismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts tatsächlich kein Abschied stattfand, sondern er nur durch einen anderen – den Marxismus-Sozialismus – ersetzt wurde. Der einzige Unterschied beider Universalismen, so der Philosoph Ci Jiwei in seinen Untersuchungen zur Dialektik der chinesischen Revolution, ist die Teleologie des letzteren, was wiederum dessen Selbstüberschätzung verstärkt. Wenn Zwang nun ein systeminhärentes Element des Sozialismus ist, so stellt sich die Frage, auf welche Weise das Individuum wie die Gesellschaft ihm entgehen kann. Qin Hui argumentiert hier für die Schaffung einer freiheitlichen Ordnung. Der Liberalismus – der selbst keine anspruchsvolle Ideologie ist – kann aufbauend auf dem Ideal der passiven Freiheit (d.h. individuelle Menschenrechte) die Autonomie des Individuums realisieren und eine Tyrannei verhindern. Im postrevolutionären China haben die Reformen im wirtschaftlichen Bereich weitreichende Freiheiten zugelassen, die Qin als den letzten Schritt auf dem Weg der Schaffung individueller Freiheit feiert (Qin Hui 2003, 93). Deren Gewährung bedeutet aber noch lange kein Durchbruch, auch wenn der tiefgreifende Wandel der chinesischen Gesellschaft von Nihilismus der revolutionären Periode zum extremen Hedonismus seit den 1990er Jahren dies auf den ersten Blick als ein großer Durchbruch zur Freiheit erscheint. Die Forderung nach einer freiheitlichen Ordnung, wie sie Qin Hui stellt, kann sich nämlich nicht nur auf ökonomische Interessen (Teilhabe am Wirtschaftswachstum und materieller Reichtum) beschränken, sondern ist – in ihrem ureigenen Sinn – auch politischen Charakters. Erst die Schaffung einer Zivilgesellschaft, so Qin, kann das Individuum aus den Fesseln der (traditionellen) Gemeinschaft lösen und aus der Kontrolle des übermächtigen Zentralstaats befreien.

Zentraler Punkt in diesem Kontext ist für die weitestgehend landwirtschaftlich geprägte Gesellschaft Chinas natürlich die Frage nach Landbesitz. Während die Neue Linke – mit ihrem bekanntesten Vertreter Wang Hui – für eine starke Rolle des Staates plädiert, gehört Qin Hui im weitesten Sinne zur Schule der liberalen Intellektuellen, die für ein marktorientiertes System eintreten und die kapitalismuskritischen Intellektuellen als Konservative bezeichnen. Im engeren Sinn jedoch ist Qin in der Sozialdemokratie heimisch, da er einerseits ein Verfechter individueller Rechte ist, die nicht vom Staat oder Kollektiv eingeschränkt werden (hier wendet er sich gegen die Neue Linke), und andererseits für eine Privatisierung von Kollektivbesitz eintritt, die eben nicht eine Oligarchie (d.h. einen Diebstahl an öffentlichem Eigentum) zur Folge hat. Seine Einwände gegen den ökonomischen Libertarianismus sind stark beeinflusst von dem klassischen Liberalismus des Robert Nozick, der in seinem Werk Anarchy, State and Utopia (1974) dafür argumentiert, dass eine Verteilung von Gütern (wozu auch Landbesitz gehört) gerecht sei, wenn sie mittels freiem und einvernehmlichem Austausch zwischen erwachsenen Personen erfolge, selbst wenn durch diesen Prozess große Ungleichheiten entstehen (und somit auch Machtungleichgewichte). Der Staat hat – als Minimalstaat – allein die Verantwortung, die Verteilung rechtlich zu schützen, und darf in den Verteilungsprozeß nicht eingreifen bzw. sich an ihm bereichern, ihm obliegt allein die Aufgabe der Sicherstellung von Wettbewerbsgerechtigkeit und Chancengleichheit. Qin stimmt dieser Rolle des Staates zu und ist überzeugt, dass allein eine gerechte und offene Privatisierung von Kollektivbesitz auf Grundlage einer demokratischen Partizipation und öffentlichen Kontrolle funktioniert. Aus Gründen der Praktikabilität sollten die Erträge, die beim Verkauf von Staatsbesitz erzielt werden, in den Etat für soziale Sicherheit und Wohlfahrt fließen. Seine Sicht zur Umwandlung von Kollektiv- in Privatbesitz im chinesischen Reformprozess führt Qin in seinem Beitrag Justice in the Economics of Market Transition von 2005 aus.

 

In der Shanghaier Sammlung finden sich große Bestände an Quellen zur Organisation und Einrichtung von Volkskommunen, entsprechende Erfahrungsberichte von Kadern und Produktionsteams, sowie propagandistische Pamphlete, welche die Überlegenheit der Kommunen politisch begründen. Die ideologisch motivierte Selbstüberschätzung wurde bis in die frühen 1980er Jahre auch in westlichsprachigen Publikationen reproduziert (vgl. Bennett 1982, Chu/Tien 1974 und Snead 1972), ohne jedoch eine umfassende Untersuchung dieser Quellen vorzunehmen. So sind Organisation und Verwaltung der Kommunen ausreichend bekannt (Ahn 1975), jedoch nicht der Grad ihrer Akzeptanz in der Bevölkerung. Eine Untersuchung dieser Frage ist jedoch unumgänglich, wenn man die Bedeutung der Volkskommunen - jenseits ihrer Romantisierung durch die Neue Linke - für das moderne China verstehen will.  

 

Primärliteratur in der Sammlung (Auswahl)

Organisation und Einrichtung von Volkskommunen

-          Nongcun renmin gongshe jingying guanli gongzuo [农村人民公社经营管理工作] (1960), hg. von Zhonggong Jiangxi sheng weinongcun gongzuobu.

-          Zhongzhan meikuang renmin gongshe shixing gongjizhi [中站煤矿人民公社试行供给制] (1958), hg. von Zhonggong Jiaozuo shiweihui.

Erfahrungsberichte

Serie Banhao Renmin gongshe – fazhan nongye shengchan [办好人民公社 – 发展农业生产], 1961. Shanxi renmin chubanshe.

-          Wanrong Sun Ji gongshe qunzhongxing jingji huodong fenxi de jingyan [万荣孙吉公社群众性经济活动分析的经验]

-          Wenxi Dongzhen gongshe bian luohoudui wei xianjindui de jingyan [闻喜东镇公社变落后队为先进队的经验]

-          Wuxiang Fengtaiping qingchu Nan lüshu dinge guanli de jingyan [武乡凤台坪清徐南绿树定额管理的经验]

-          Fenyang Xingfu gongshe jicun shengchandui zhixing “sanbao yijiang” zhi de jingyan [汾阳幸福公社冀村生产队执行 “三包一奖” 制的经验]

Überlegenheit der Volkskommune

-          Renmin gongshe hao [人民公社好(第三集)] (1958), hg. von Anhui renmin chubanshe.

-          Guanghui de shinian – Shaanxi Qianxian Fenghuo Renmin gongshe de chengzhang [光辉的十年 – 陕西省乾县烽火人民公社的成长] (1960), hg. von Xibei Nongxueyuan Qianxian laodong duanlian zhongdui nongjing xiaozu 西北农学院乾县劳动锻炼中队农经小组

-          Qiliying renmin gongshe [七里营人民公社] (1958), hg. von Xu Zhanqi [徐占奇] und Wang Yutang [王玉堂].

-          Renmin gongshe wansui [人民公社万岁] (1959), hg. von Nongye chubanshe.

-          Ai she ru jia [爱社如家] (1959), hg. von Luo Laichang [罗来昌].

-          Renmin gongshe wansui [人民公社万岁] (1960), hg. von Parteikomittee der Inneren Mongolei [内蒙古党委 – 党的教育].

 

Sekundärliteratur

Ci Jiwei (1994): Dialectic of the Chinese Revolution – From Utopianism to Hedonism. Stanford: Stanford University Press.

Murthy, Viren (2006): Modernity against Modernity: Wang Hui’s Critical History of Chinese Thought, in: Modern Intellectual History 3, S. 137-165.

Qin Hui (2003): Dividing the Big Family Assets, in: New Left Review, Nr. 20, S. 83-110.

Qin Hui (2005a): The Common Baseline of Modern Thought, in: The Chinese Economy, Vol. 38, Nr. 4, S. 12-22.

Qin Hui (2005b): Justice in the Economics of Market Transition, in: The Chinese Economy, Vol. 38, Nr. 5, S. 70-95.

Wang Hui (2006): Depoliticized Politics – From East to West, in: New Left Review, Nr. 41, S. 29-45.

Ahn, Byung-Joon (1975): The political economy of the people's commune in China: changes and continuities, in: Journal of Asian Studies 34/3, S. 631-658.

Bennett, Gordon (1982): Huadong People's Commune, 1980: a second look after seven years, in: Asian Survey 22/8, S. 745-756.

Bennett, Gordon A. et al. (1978): Huadong: the story of a Chinese people's commune. Boulder, Colorado: Westview Press.

Bettelheim, Charles (1980): The people's commune of Ma Lo, in: Hobsbawm, E.J. (ed.): Peasants in history: essays in honour of Daniel Thorner. Calcutta: Published for Sameeksha Trust by Oxford University Press, S. 249-255.

Chang, Hsing-hsiang (1978): Our commune hospital: life in a rural people's commune, in: China Reconstructs (Peking) 27, no.10, S. 21-23.

Cheema, G. Shabbir (1983): Decentralization and rural development: the case study of Qi-Yī People's Commune in China. Nagoya, Japan: United Nations Centre for Regional Development.

Chu, Li; Tien, Chieh-yu (1974): Inside a people's commune: report from Chili-ying. Peking: Foreign Languages Press.

Crook, Isabel (1966): The first years of Yangyi Commune, by Isabel and David Crook. London, Routledge & K. Paul.

Great changes in Tibet (1972). Peking, Foreign Languages Press.

Hudson, Geoffrey Francis (1960): The Chinese communes: a documentary review and analysis of the "great leap forward". London : Soviet Survey.

Lau, Siu-kai (1979): The People's Commune as a communication network for the diffusion of agritechnology, in: Chu, Godwin C. und Francis L.K. Hsu (Hg.): Moving a mountain: cultural change in China. Honolulu: University Press of Hawaii, S. 125-149.

Li, Tianmin (1961): Whither goes the people's commune. Taipei: Asian Peoples' Anti-Communist League.

Selden, Mark (1973): Report from a People's Commune, in: Eastern Horizon (Hong Kong) 12, no.2, S. 37-50.

Snead, William George (1972): An economic policy model for the urban people's commune movement in the People's Republic of China, 1958-1961. Berkeley: University of California, Thesis (Ph.D.).

The Chinese communes: a documentary review and analysis of the "great leap forward (1959). London, Soviet Survey.

The People's commune in Communist China (1959), translated into English by Chi-Ch'ing Yao. Taipei: Yang Ming Shan Institute.

Wu, Chou (1975): Report from Tungting, a people's commune on Taihu Lake. Peking: Foreign Languages Press.

Yang, Dali (1996): Calamity and Reform in China: State, Rural Society, and Institutional Change since the Great Leap Famine. Stanford University Press.

Zheng, Xuejia (1959): The people's commune, military slavery communism. Taipei, Asian Peoples' Anti-communist League.

 
Lernen von Dazhai
Die Kampagne „In der Landwirtschaft – Lernt von Dazhai“ hat ihren Beginn im Jahr 1964, als die Produktionsbrigade der Dazhai-Volkskommune von Mao Zedong zur Musterbrigade erklärt wurde im Projekt der Modernisierung der Landwirtschaft, da deren Mitglieder sich durch besonderen Eifer und politische Verläßlichkeit auszeichneten: selbst in den drei bitteren Jahren nach dem Großen Sprung nach Vorn wurde die Arbeitsweise der Volkskommunen beibehalten und der Ökonomismus des Liu Shaoqi abgelehnt.

 

 

Dazhai (大寨) ist eine Gemeinde im Kreis Xiyang (昔阳县) in der Provinz Shanxi (ca. 200 km südwestlich von Peking). Im Jahr 1963 ereignete sich ein siebentägiger Wolkenbruch, der die in den Löß gebauten Terrassen zerstörte, bewährte sich der später häufige besungene Geist von Dazhai. Mit einem expliziten Verzicht auf Unterstützung von außen (die drei Weigerungen, nämlich Geld, Lebensmittel und Material vom Staat anzunehmen) wurden die Felder selbständig wiederhergestellt. Eine maximale kollektive Mobilisierung der gesamten Einwohnerschaft, angestoßen durch den örtlichen Parteisekretär Chen Yonggui (1913-1986), erreichte nicht nur die Wiederherstellung der Felder, welche nun auch zum großen Teil mit Traktoren befahren werden konnten, sondern auch die Anlage eines Bewässerungssystems, die Bepflanzung des bei Dazhai gelegenen Tigerkopf-Berg (Hutoushan) mit Obstbäumen und die Zucht von Seidenraupen und Bienen in einem Gebiet, welches ursprünglich ungünstige Ausgangsbedingungen für die landwirtschaftliche Nutzung bot. Mit der Einführung eines neuen Arbeitspunkte-System wurde die Verwaltungsarbeit reduziert und gleichzeitig – dem sozialistischen Geist entsprechend – private Parzellen weitestgehend abgeschafft. Als wesentlich für den Arbeitsstil der Produktionsbrigade gilt, daß die Bauern – „gerüstet mit den Ideen Mao Zedongs“ – der Politik die erste Priorität einräumten, und daß die Massen einfacher Arbeiter und Bauern sich, angespornt durch die korrekte politische Linie, aus eigener Kraft aus der Armut befreien und ihre Lebensbedingungen neu gestalten können.

Zur Zeit der Kulturrevolution wurde Dazhai unabläßlich von Studiengruppen aus dem ganzen Land besucht, und auf einer nationalen Konferenz zum Lernen von Dazhai im September und Oktober 1975 wurde die Modellbrigade zum nationalen Vorbild erklärt. Das Hauptreferat hielt der bis dahin unbekannte Politbüro-Funktionär Hua Guofeng (1921-2008). Er kündigte darin an, daß in ganz China die Anstrengungen zur Schaffung von Kreisen vom Typ Dazhai verstärkt werden sollten. Hua bestimmte beim Dazhai-Typ das ganze Dorf als "Brigade" eine unmittelbare Wirtschaftseinheit als eine Voraussetzung für die notwendige Mechanisierung der Landwirtschaft, die bis 1980 erreicht werden sollte.

Die Reprivatisierung der Landwirtschaft im Zuge der Reform- und Öffnungspolitik von Deng Xiaoping setzte der Vorbildfunktion von Dazhai ein Ende. Um die neuen Reformen durchsetzen zu können, war es notwendig, in der Landwirtschaft die materielle Interessiertheit der Familienwirtschaft (und nicht des übergeordneten Kollektivs) zu fördern. In der Konsequenz inszenierte Deng eine Verleumdungskampagne gegen Dazhai, welche die Musterbrigade lächerlich machte mit Verweis auf tatsächliche staatliche Unterstützung und Fälschung de Erfolgsstatistiken. 1983 wurde Dazhai zur Rückkehr zur Familienwirtschaft gezwungen, und 1987 wurden Statistiken verbreitet, die beweisen sollten, wie auch dort das Verantwortlichkeitssystem dem alten Kollektivsystem überlegen sei (vgl. hierzu William Hinton).

 

             

 

Primärliteratur in der Sammlung (Auswahl):

 

Ideologische Werke, die den Geist von Dazhai beschwören und die richtige politische Haltung versuchen zu verbreiten: 

 引路的红旗1974 Beijing: Renmin chubanshe.

农业学大寨 – 大干社会主义1974 Jiangxi renmin chubanshe.

农业学大寨普及大寨县讲话材料(农村政治夜校学习辅导读物)1975. Hunan renmin chubanshe.

全党动员,大办农业,为普及大寨县而奋斗 – 全国农业学大寨会议文件和材料汇编1975. Renmin chubanshe.

 

Erfahrungsberichte: 

全国农业学大寨 – 先进典型经验选编, 1975. Beijing: Renmin chubanshe.

怎样学大寨赶先进, 1965. Nongcun duwu chubanshe.

农业学大寨讲话, 1973. Fujian renmin chubanshe.

坚持斗争 革命到底 – 大寨和昔阳的新鲜经验, 1974. Hunan renmin chubanshe.

发扬大寨精神 实行科学种田 – 上海市科学种田经验选编, 1974. Shanghai renmin chubanshe.

为普及大寨县而奋斗 – 全国农业机械化典型经验选编, 1975. Nongye chubanshe (3 Bände).


 

Sekundärliteratur

Tachai—Pacesetter in China's Agriculture. Peking: Foreign Languages Press, 1978.

Peter J. Seybolt (1996): Throwing the Emperor from His Horse -- Portrait of a Village Leader in China, 1923-1995. Boulder: Westview Press.

Wen Yin & Liang Hua (1977): Tachai—The Red Banner. Peking: Foreign Languages Press.

Stefan Landsberger's Chinese Propaganda Posters: Dazhai [http://www.iisg.nl/~landsberger/dz.html]

William Hinton: Mao's Beloved Model Village [http://www.time.com/time/asia/magazine/99/0927/dazhai.html]

''People's Daily:'' Dazhai at the Turn of the Century [http://english.people.com.cn/english/200101/01/eng20010101_59314.html]

''People's Daily:'' China's Model Village: from Political Symbol to Brand Name [http://english.people.com.cn/200206/27/eng20020627_98674.shtml]

Xin-An Lu: Dazhai: Imagistic Rhetoric as a Cultural Instrument [http://www.acjournal.org/holdings/vol5/iss1/articles/lu.htm]

 
Landreform und Enteignung
Research Database - Research Field of Agriculture and Industry

 

我爲新中國數萬萬農村人民獲得翻身機會和國家獲得工業化的基本條件表示高興,表示慶賀。

„Ich freue mich, daß die nach Hunderten Millionen zählende Land­bevölkerung des Neuen China die Möglichkeit ihrer Befreiung errungen, daß das Land die grundlegende Voraussetzung für seine Industrialisie­rung geschaffen hat, und ich beglückwünsche sie dazu.“

Schlussansprache Mao Zedongs auf der Zweiten Sitzung des Ersten Nationalkommittees der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes [中國人民政治協商會議第一屆全國委員會第二次會議], erschienen in der Renmin ribao vom 24. Juni 1950, hier entnommen dem Frontispiz des besprochenen Buches, Übersetzung nach Mao Tse-tung (1978): Ausgewählte Werke Band V. Peking: Verlag für fremdsprachige Literatur, S.35-39.

 

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Huadong junzheng weiyuanhui tudi gaige weiyuanhui [华东军政委员会土地改革委员会] (hg.) (1952): Shanghai shijiaoqu Sunan xingzhengqu – tudi gaige huaji [上海市郊区 苏南行政区 – 土地改革画集] (ohne Angabe des Verlags).

 

Das vorliegende Buch ist eine reich bebilderte Darstellung der Landreform, welche mit einem expressiven Vergleich von Zuständen vor und nach der Reform ein bezeichnendes Licht auf die Wahrnehmung der Bauernbefreiung wirft.

Im alten China, so die Darstellung, war die Landbevölkerung in zwei distinkte Gruppen unterteilt, nämlich die „im Paradies lebenden Großgrundbesitzer“, und die in der „Hölle schmorenden Bauern.“ Grund dafür waren – in marxistischer Lesart der Klassenanalyse – die Verteilung von Grund und Boden, welche die Ausbeutung der Bauern durch Steuern, Abgaben, Pacht und andere Maßnahmen möglich machte.

Für die Kommunistische Partei war es daher – schon seit dem Beginn der Bodenreform 1946 – ein erklärtes Ziel, dieser Ausbeutung Einhalt zu bieten. Am 14. Juni 1950 wurde daher auf der Zweiten Sitzung des Ersten Nationalkommittees der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes der „Entwurf des Gesetzes der Volksrepublik China über die Bodenreform“ verabschiedet, und am 30. Juni desselben Jahres vom Vorsitzenden der Zentralen Volksregierung, Mao Zedong, der Öffentlichkeit bekanntgegeben, womit es in Kraft trat.

Damit war auch die Grundlage für die Umverteilung geschaffen, die alsbald einsetzte. Wesentliches Kriterium war in diesem Kontext die Einstufung der Landbevölkerung in eine der fünf Klassen, deren Kriterien auf Maos „Analyse der Klassen in der chinesischen Gesellschaft“ vom März 1926 zurückgehen. Diese fünf Klassen waren Grundbesitzer, Großbauern, Mittelbauern, Kleinbauern und Landarbeiter. Die Einstufung erfolgte in der Regel in öffentlichen Versammlungen, auf denen durch Selbsteinschätzung, Kritik und auch verschiedene Formen des Terrors die Klassenzugehörigkeit definiert wurde. Terror war hier ein legitimes Mittel in der Umwälzung der sozialen Strukturen, da die reiche Klasse ihren Besitz häufig verborgen hielt. Abschließend wurden die Grundbesitzer vor öffentlichen Tribunalen angeklagt, verurteilt, und auch häufig hingerichtet. Die Zahl der Opfer wird hier in der Literatur (vgl. Hinton) auf ca. 5 Millionen geschätzt. Innerhalb von zwei Jahren wurde die Landreform abgeschlossen und rund 43% des Bodens neuen Eigentümern zugeführt worden.

In dem vorliegenden Buch wird der Kampf gegen die Großgrundbesitzer und ihre Enteignung in der ländlichen Umgebung Shanghais beschrieben. Enteignung wird verstanden als Teil des antifeudalistischen und auch antikapitalistischen Kampfes, um die Bauern wieder an den Produktionsmitteln teilhaben zu lassen und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu fördern.

Im ersten Teil des Buches erfolgt eine Beschreibung der Zustände vor der Landreform, mit einer detaillierten Auflistung der Besitzverhältnisse und sozialen Struktur. So wird beschrieben, daß die armen Bauern mehr als 50% der Bevölkerung im Gebiet Sunan ausmachen, aber nur 20% des Bodens besitzen, während die Großgrundbesitzer 3,25% der Bevölkerung ausmachen, aber mehr als ein drittel des Bodens besitzen. Mit Hilfe von Karten, Grafiken und Auszügen aus Grundbüchern wird diese ungerechte Verteilung belegt, ebenso werden Kopien von Pachtverträgen und Pachtrechnungen gezeigt. Die Ausbeutung und Unterdrückung erfolgte aber nicht allein ökonomisch (auf Grundlage von Verträgen), sondern auch durch Folterinstrumente, deren Anwendung durch Fotos von Folterverletzungen und blutiger Kleidung bezeugt wird (wie auch durch einen Kochtopf, in dem ein Bauer – des Bambusdiebstahls verdächtigt – nach seiner Ermordung gekocht wird, um die Hunde des Großgrundbesitzers zu füttern). Dem entbehrungsreichen Leben der Bauern wird gegen Ende des ersten Teils des Buches das „parasitäre Leben der Großgrundbesitzer“ durch zahlreiche Fotos belegt.

Der zweite Teil des Buches führt in das Gesetz zur Bodenreform ein, dessen Umsetzung und Durchführung. Die Darstellung beschreibt die notwendigen Reformschritte, darunter Propaganda, Einbeziehung von Frauen in die Reform, Organisation durch Bevölkerungszählung, Klasseneinteilung der Bevölkerung, Aufdecken von Gegenmaßnahmen der Großgrundbesitzer (Verheimlichung von Eigentum, Sabotage etc.), Aufgaben und Funktion der Kritikversammlungen, sowie natürlich die Neuverteilung und Inbesitznahme des enteigneten Landes durch die verarmten Bauern.

Im dritten Teil werden dann die positiven Folgen der Bodenreform beschrieben, nämlich Produktionssteigerungen, Einführung neuer Bewirtschaftungsmethoden und landwirtschaftlicher Technologien, Verringerung der Armut usw., wofür explizit der Partei und dem Vorsitzenden Mao Zedong gedankt wird (vgl. die Fotos).

 

 

 

Mao Tse-tung: Ein vollwertiger Revolutionär sein (23. Juni 1950)

„Auf unserer Tagung wurden viele Punkte diskutiert, das zentrale Thema aber war die Frage der Umwälzung des alten Bodenbesitz­systems. Wir haben den vom ZK der KP Chinas vorgeschlagenen Ent­wurf des Gesetzes über die Bodenreform gebilligt und zu diesem einige nützliche Verbesserungen und Ergänzungen erarbeitet. Das ist sehr gut. Ich freue mich, daß die nach Hunderten Millionen zählende Land­bevölkerung des Neuen China die Möglichkeit ihrer Befreiung errungen, daß das Land die grundlegende Voraussetzung für seine Industrialisie­rung geschaffen hat, und ich beglückwünsche sie dazu. Die Bauern bilden den Hauptteil der Bevölkerung Chinas, die Revolution konnte nur dank ihrer Unterstützung siegen, und die Industrialisierung des Landes ist wiederum nur mit ihrer Hilfe möglich. Deshalb muß die Arbeiterklasse den Bauern aktiv bei der Durchführung der Bodenreform helfen... Die Prüfung Krieg ist im wesentlichen vorbei, wir alle haben sie gut bestanden, das Volk des ganzen Landes ist mit dem Ergebnis zufrieden. Nun müssen wir die Prüfung Bodenreform bestehen, und ich hoffe, das wird uns allen ebenso gut gelingen, wie dies mit dem Krieg der Fall war. Laßt uns mehr darüber nachdenken, öfter beraten, unser Denken in Einklang bringen, im Gleichschritt marschieren und eine große Einheitsfront gegen den Feudalismus bilden, dann werden wir imstande sein, die Volksmassen zu führen und ihnen zu helfen, diese Prüfung erfolgreich zu bestehen. Haben wir einmal die Prüfungen des Krieges und der Bodenreform hinter uns gebracht, dann wird uns die noch ausstehende Prüfung, die Prüfung des Sozialismus, der sozialistischen Umgestaltung im ganzen Land, leichtfallen. Jene, die zum revolutionären Krieg und zur revolu­tionären Umwälzung des Bodenbesitzsystems beigetragen haben und die auch in den kommenden Jahren des wirtschaftlichen Aufbaus und der kulturellen Entwicklung weitere Leistungen erbringen – für sie alle gilt: Das Volk wird sie nicht vergessen, wenn die Zeit für die Verstaatlichung der privaten Industrie und für die Sozialisierung der Landwirtschaft gekommen ist (was allerdings noch in weiter Ferne liegt), und eine glänzende Zukunft wird vor ihnen liegen.“

Mao Tse-tung (1978): Ein vollwertiger Revolutionär sein (23. Juni 1950), in: Mao Tse-tung: Ausgewählte Werke Band V. Peking: Verlag für fremdsprachige Literatur, S.35-39.

 

 

Primärliteratur in der Sammlung (Auswahl):

Laptew (И.Д.Лаптев) [拉普捷夫] (1956): Tudi gaige, tudi zhanyouzhi, tudi guoyouhua [土地改革,土地占有制,土地国有化]. Caizheng jingji chubanshe.

Sunan renmin xingzheng gongshu tudi gaige weiyuanhui [苏南人民行政公署土地改革委员会] (hg.) (1951): Tudi gaige qian de Sunan nongcun [土地改革前的苏南农村]. Shanghai.

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